Stellungnahme erwünscht

Veröffentlicht am 16.10.2010 in Allgemein

Was treibt zehntausende von Menschen allen Alters auf die Straße?
Ist das wirklich nur der Streit um Sinn oder Unsinn einer teuren Verkehrsplanung?
Oder steckt da mehr dahinter?
Ein Erklärungsversuch ist die Presseerklärung des Bundesvorstands der NaturFreunde Deutschlands den wir hier im Wortlaut veröffentlichen:

Stuttgart21 hat kein Kommunikationsproblem
Das Megaprojekt ist vielmehr Ausdruck einer überholten Zeit

Berlin, 8. Oktober 2010 - Die zunehmenden Auseinandersetzungen um Stuttgart21
seien nicht primär die Folgen eines Kommunikationsproblems, mahnt der Bundesvorsitzende der NaturFreunde Deutschlands Michael Müller. Stuttgart21 sei mittlerweile ein Symbol für den gesellschaftlichen Zweifel an einem Fortschritt geworden, der nur Größe und Geschwindigkeit kenne. „Die Kathedralen der Moderne leeren sich. (...) Der Vorschlag einer Volksbefragung ist richtig", so Müller.

Ob Stefan Mappus oder Angela Merkel, ob Rüdiger Grube oder die Kommentatoren großer
Zeitungen: Sie alle haben für das Desaster um Stuttgart21 eine falsche Erklärung. Denn dass das Milliardenprojekt falsch vermittelt worden sei, ist - Pardon - großer Unsinn. Der
Konflikt ist nicht nur ein Ausdruck der Folgen von Macht und Arroganz, das eigentliche
Problem liegt tiefer.

Die zunehmenden Auseinandersetzungen folgen aus der Unvereinbarkeit zweier
unterschiedlicher Denkweisen: Die Führungsspitze der Deutschen Bahn AG, die baden- württembergische Landesregierung und auch die Bundesregierung hängen einem
untergehenden Verständnis von Fortschritt an, das nur Größe und Geschwindigkeit kennt.
Doch die Menschen zweifeln an den Heilsbotschaften dieses Fortschritts - und wenden sich
ab: Die Kathedralen der Moderne leeren sich.

Das ist die eigentliche Frage, um die es geht, das ist der eigentliche Grund für das wachsende gesellschaftliche Unbehagen, das bei wechselnden Anlässen und unterschiedlichen Themen immer wieder aufbricht: Ist die herrschende Philosophie des „schneller, höher, weiter" noch zeitgemäß oder führt uns dieser Größenwahn nicht direkt in die Krise?

Die Menschen haben kein Vertrauen mehr in diese Denkweise, zumal die Globalisierung sie
aus den gewohnten und vertrauten Zusammenhängen gerissen hat. Sie sehnen sich zurück ins Vertraute und Gefestigte. Das ist die Reaktion auf drei Jahrzehnte Beschleunigungswahn des Finanzkapitalismus, dessen Ergebnisse nicht überzeugen können.

Stuttgart21 ist mittlerweile auch ein Symbol für das Innehalten und das Überdenken, für die
Frage, ob es wie bisher weitergehen darf. Insofern ist die Rolle des Schlichters Heiner
Geißler von Anfang an falsch konstruiert: Im eigentlichen Konflikt kann es nämlich keinen Kompromiss geben, sondern nur ein Umdenken. Ein Vermittler kann - wenn überhaupt - nur
den Konflikt offen legen und Wege finden, wie er rational ausgetragen werden kann.
Doch dieser grundsätzliche Konflikt ist mit Friedenspflicht oder Schlichtung leider nicht zu
lösen. Ministerpräsident Stefan Mappus, aber auch der Schlichter Heiner Geißler haben die
wahre Dimension dieses Konflikts nicht verstanden.

Deshalb ist der Vorschlag richtig, zu einer Volksbefragung zu kommen.

Wer den Text als pdf-Datei herunterladen möchte findet ihn auf der Homepage der Naturfreunde Giengen (www.naturfreunde-giengen.de). Weitere Infos auch über die Homepage der Naturfreunde (www.presse.naturfreunde.de)