Historisches

Erinnern an Erhard Auer

Text der Gedenktafel bei der Gaststätte Einhorn:

Zur Erinnerung an
Erhard Auer, erster Innenminister des Freistaates Bayern

Geboren am 22.12.1874 in Dommelstadt bei Passau
Gestorben am 20.3.1945 in Giengen an der Brenz

Erhard Auer wuchs in von Elend und Armut geprägten Verhältnissen auf. Bereits im Alter von zwölf Jahren musste er die Schule verlassen und als Hütejunge arbeiten. Während seiner Militärzeit in München entdeckte er in der Sozialdemokratie seine politische Heimat. 1907 wurde er zum Landtagsabgeordneten gewählt, ein Jahr später übernahm er den Landesvorsitz der SPD.

Unermüdlich warb er während des 1. Weltkrieges für den Frieden. Am 8. November 1918 übernahm er das Amt des Innenministers im Revolutionskabinett Kurt Eisner (USPD). Aufgrund eines Attentats wurde er ab 1920 als Schriftleiter der „Münchner Post“ gegen die beginnende Nazi-Agitation wieder politisch aktiv. Die Erfahrungen des Hitler-Putsches von 1923 veranlassten ihn die seit 1920 bestehende Selbstschutzorganisation, im Volksmund „Auer-Garde“ genannt, weiter auszubauen.

Im Mai 1933 wurde Auer von SA-Leuten blutig geschlagen und konnte als „eine Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit“ nicht mehr in München bleiben. In Karlsruhe baute er sich unter falschem Namen eine neue Existenz auf. Gesundheitlich stark angeschlagen blieb ihm die KZ-Haft erspart, als er nach dem Hitler-Attentat am 20. Juli 1944 von der Gestapo aufgespürt worden war. Seine Evakuierung führte ihn nach Giengen, wo er am 20. März 1945 im Haus Obertorstraße 9, heute Gasthaus „Einhorn“, verstarb.

Sein Schicksal und Tod in Giengen erinnern an die Unmenschlichkeit von Hass, Gewalt und Krieg.

Die Anbringung der Gedenktafel fand im Zusammenhang mit einer öffentlichen Veranstaltung in der "Schranne" am Samstag, 20. März 2004 statt. (Bei der Enthüllung nahmen teil: Die Historikerin Gaby Streicher, Oberbürgermeister Clemens Stahl, der Festredner Sieghard Schramm, SPD Augsburg und die SPD-Ortsvereinsvorsitzende Christine Mack.)

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