Historisches

SPD-Versammlung anlässlich 60 Jahre Kriegsende

Werner Ruoff vom Treffpunkt Politik der Giengener SPD konnte den früheren Vizepräsident des Landtages von Baden-Württemberg Dr. Alfred Geisel begrüßen, der zum Thema „60 Jahre Kriegsende, 60 Jahre Befreiung vom Faschismus“ sprach. Als Vorsitzender des Vereins „Wider das Vergessen“ hatte sich der Referent schon seit Jahren mit dem 3. Reich und dem Aufarbeiten nationalsozialistischer Verbrechen beschäftigt.

Der Referent erläuterte, dass der 8. Mai 1945 von der Bevölkerung damals nicht als Befreiung empfunden worden war, da die Sorge um das Nächstliegende wie Essen, Unterkunft und der Verbleib von Familienangehörigen wie eine dumpfe Betäubung wirkte. In dieser Situation sei es auch vielen gelungen ihre nationalsozialistische Vergangenheit wie eine braune Haut abzustreifen und als ehrenwerte Mitbürger wieder aufzuerstehen. Mit dem Ende des Krieges vor 60 Jahren waren über 50 Millionen Menschen – Soldaten, Zivilisten, Kinder – getötet und über 20 Millionen Menschen das Opfer von Vertreibung und Deportation geworden. Sämtliche deutsche Großstädte und eine große Zahl von Mittel- und Kleinstädten in Deutschland lagen in Schutt und Asche. Die meisten lebten in großer Not und erst allmählich erfassten sie, dass sie von einem verbrecherischen Regime ausgebeutet worden waren.

Dr. Geisel ging dann auf die Aufbaujahre der 50er und 60er Jahre ein, in denen es in Deutschland zu keiner aktiven gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Nazidiktatur kam und die Verbrechen verdrängt, verharmlost und geleugnet wurden. Viele ehemalige Nazis hätten schnell wieder leitende Positionen bekleidet und es habe bis zum Ende der 60er Jahre gedauert als es zu ersten Prozessen vor deutschen Gerichten gegen Naziverbrecher kam.

Der Referent begrüßte die große Publizität in den Medien, die jetzt nach 60 Jahren das Kriegsende aktiv aufgearbeitet hätten. Er sprach von der Erinnerung als „Wegweiser“, der sich nicht nur Einzelpersonen sondern auch Familien, Gemeinden und die ganze Nation stellen müssen, um eine Wegweisung für Gegenwart und Zukunft zu erhalten. Man dürfe nicht wie in den Nachkriegsjahren der Vergangenheit entfliehen und müsse sich der geschichtlichen Verantwortung stellen. Die Opfer würden verdienen, dass ihnen gedacht würde.

Besorgt äußerte sich Alfred Geisel über die starke Zunahme rechtsextremistischer Straftaten gegen anders aussehende und anders denkende Menschen, die im vergangenen Jahr um 10 % zugenommen hätten. Wenn – wie mehrfach geschehen - heute wieder jüdischen Friedhöfe und Einrichtungen geschändet würden, so müsse dies ein Warnsignal sein und hart gegen diese Umtriebe vorgegangen werden. In diesem Zusammenhang zitierte der Redner Karl Krauß mit den Worten „wer in der Demokratie schläft, darf sich nicht wundern, wenn er in der Diktatur aufwacht“. Er beendete seinen Vortrag mit den Worten: „Schauen wir dem 8. Mai 1945 ins Auge“.


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